Der Orden von Belar und seine Anfänge

Belar, der Herr der Sonne, Licht, das das Böse vertreibt und Wahrheit in die Dunkelheit bringt, ist eine (bzw. die!) rechtschaffen gute Sonnengottheit. Zusammen mit seiner Gattin, die jetzt nur noch die Schlafende genannt wird, hat er bei Anbeginn der Zeiten zunächst die anderen Götter geschaffen. Diese waren Belar und seiner Gattin Untertan und führten ihren göttlichen Plan aus, als sie die Welt und ihre Bewohner formten.
In der darauf folgenden Zeit paradiesischer Zustände war die Welt von dauerhaftem Licht erfüllt, denn am Himmel leuchtete entweder der golden-rote Palast Belars in Form der Sonne oder der silbrig-blaue seiner Gattin, lediglich die Art und Intensität des Lichtes änderte sich (Anfang und Mitte eines Tages wurde durch das grandiose Spektakel gekennzeichnet, wenn sich die Strahlen beider Paläste trafen und zu einem alles andere an Helligkeit übertreffenden Licht vereinten, dessen Farbe die Vorstellungskraft der heute lebenden Wesen übertrifft.) In dieser Zeit der beiden Paläste gab es keinerlei Übel, Streit, Krieg, Krankheit auf der Erde, niemand musste hungern, die Früchte der Erde wuchsen im Übermaß, denn Belar und seine Gemahlin wandelten oft unter ihren Geschöpfen und ließen alle an ihrem göttlichen Glanz teilhaben.
Um die Welt nicht durch Stillstand zum Erliegen zu bringen, mussten dennoch alle Wesen auf ihr sterben, wenn sie ihr Schicksal erfüllt hatten. Doch schreckte der Tod niemanden, denn Belar und seine Gattin nahmen die Seelen der Verstorbenen in ihren Palästen auf und wiesen ihnen von dort den Weg zu den Gefilden der Seeligen in den Sternen.
Diese Zeit endete mit dem Abfall des ersten der göttlichen Diener Belars. Nicht zufrieden damit, nur den Willen Belars auszuführen, trachtete er danach, eigene Dinge zu erschaffen. Doch gelangen ihm nur pervertierte Kopien des bereits Vorhandenen wie Orks, Trolle, Tiermenschen etc., der kreative Funken der Schöpfung fehlte ihm. Dennoch gelang es, diesem ersten weitere Götter in seinen Bann zu ziehen und gegen die Schöpfer aufzuwiegeln. Diese gefallenen Götter begnügten sich nicht damit, von ihren eigenen Schöpfungen verehrt zu werden und verführten mit Lüge und Täuschung die Menschen, Zwerge, Elfen und andere Lebewesen, deren Herz schwach und leicht zu beeinflussen waren. Dies war möglich, da Belar und seine Gattin jedem Wesen verschiedene Anlagen beigegeben hatten und das große Geschenk eines freien Willens.
Mit Hilfe der so Verführten, die die gefallenen Götter anbeteten, führten diese nun Kriege gegen alle, die sich ihnen nicht unterwerfen wollten und das Zeitalter der beiden Paläste wurde von dem Zeitalter des Krieges abgelöst, Laster, Bosheit und Verderben fanden ihren Weg in die Welt.
Zu dieser Zeit betrachteten Belar und seine Gemahlin das Geschehen auf der Erde mit Wehmut, griffen aber nicht ein, da sie auch die gefallenen Götter als ihre Geschöpfe betrachteten und ihnen wie ungezogenen Kinder ihr Fehlverhalten und Scheitern vor Augen führen wollten, denn da die ganze Schöpfung auf sie zurückgeht und jedes Wesen den göttlichen Funken in sich trägt, werden am Ende der Zeiten alle Wesen der Weisheit der Schöpfer gewahr werden.
Das Zeitalter des Krieges endete mit der „Ersten Nacht“ vor 1445 Jahren. Damals gelang es den Gefallenen Göttern, in einer großen Schlacht, in der sie alle ihre Anhänger in den Tod hetzten, diese mit einem Zauber zu belegen, der bewirkte, dass ihre Seelen nach ihrem Tod alle in den Palast der Schlafenden wanderten, statt auf beide Paläste verteilt zu werden. Dort sahen sie zwar das Licht der Seeligkeit, aber der Zauber lag immer noch auf ihnen und zwang sie, weiterhin das Werk der Gefallenen zu tun und ein Blutbad unter den Seelen und Bewohnern des Palastes anzurichten. Dieses Blutbad schmerzte die Schlafende so sehr, dass ihr Herz vor Kummer zu schlagen aufhörte und sie in einen bis heute währenden Schlaf verfiel. Alles um sie herum wurde zu Eis und das Licht ihres Palastes erlosch: Deshalb leuchtet der Mond heute nicht mehr von selbst, sondern spiegelt nur noch die Strahlen von Belars Palast. Damals wurde es zum ersten Mal dunkel auf der Erde und es begann die Erste Nacht und hell war es nur noch, wenn der Palast Belars am Himmel stand.
Die Wut Belars war grenzenlos, dennoch weigerte er sich, selbst direkt einzugreifen. Aber er sah, dass er die Geschöpfe, die ihm treu geblieben waren, nicht alleine lassen konnte in der Dunkelheit und schutzlos gegenüber dem Wirken der Gefallenen. Also wies er seine Diener, die Götter an, ihnen zu helfen. Er selbst aber zeigte sich in Visionen den sechs Lichtbringern des Ordens. Jedem von ihnen gab er eine der sechs Weisungen und befahl ihnen, einander zu suchen und sich zu einer Gemeinschaft zusammenzuschließen, die sein Licht auch in der Dunkelheit der Nacht in die Welt tragen und die Kreaturen und Werke der Gefallenen bekämpfen sollte. Um ihnen Hoffnung zu geben, versprach er ihnen in der Offenbarung Belars, dass die Schlafende wieder aus ihrem Schlaf erwachen würde, sobald alles Böse von der Welt getilgt sei, und dass dieser Tag kommen würde.
Die sechs Lichtbringer trafen sich im Tal der Zusammenkunft und gründeten dort die Gemeinschaft, die sich fortan der Orden des Belar nannte. Dies war der Beginn des Zeitalters des Lichtes in der Dunkelheit. Die Erzählungen von den Taten der Lichtbringer wurden im Librum Belars niedergelegt.
Eine der ersten großen Auseinandersetzungen war der Krieg gegen den Dämonenherrscher Naggorrer und seine grauen Totenbeschwörer. Dem Lichtbringer Reffar gelang es damals, Naggorrer mit dem göttlichen Licht Belars zu besiegen. Über dem dabei entstandenen Krater wurde auf drei gigantischen Säulen mit den Namen der gefallenen Ordensleute und den Weisungen der große Tempel des Ordens errichtet.
Auch wenn die Gattin Belars seit der Ersten Nacht vor 1445 Jahren in eisigem Schlaf ruht, spricht sie immer noch in Träumen zu denen, die das Licht im Herzen tragen. Und so fanden sich nach der Ersten Nacht immer wieder Aufrechte, die als Priester der Schlafenden durch die Lande zogen. Ihre Zahl blieb aber, im Vergleich mit dem Orden von Belar immer klein.